Caritas-Jahresauftakt: Fairness und Hilfsbereitschaft dürfen nicht als "dumm" hingestellt werden

Die neue Caritas-Kampagne hat das Motto „Sei gut, Mensch!“: Demokratie wird nur durch Engagement lebendig

Caritasdirektor Pfarrer Oliver Merkelbach, Bildquelle: DiCV

Gutes tun wird heutzutage oft belächelt. Menschen, die sich in die Gesellschaft einbringen, Verantwortung übernehmen, werden sogar herablassend als „Gutmenschen“ bezeichnet. Rechte Gruppen haben die Missdeutung des Begriffs „Gutmensch“ auf die Spitze getrieben: Sie diffamieren damit Fairness und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd. 2015 wurde der „Gutmensch“ sogar zum Unwort des Jahres erklärt. Die Caritas macht sich daran, die Aussage des Wortes zu wenden. Sie will es nicht länger hinnehmen, dass Menschen, die für die Gesellschaft aktiv sind und Position für Toleranz beziehen, derart herabgestuft werden. Im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart warb die Caritas Baden-Württemberg bei ihrer Jahresauftaktveranstaltung dafür, sich offensiv zu den demokratischen Werten zu bekennen und bewusst für eine hilfsbereite, menschenfreundliche Gesellschaft einzutreten. Ganz im Sinne der diesjährigen Caritas-Kampagne „Sei gut, Mensch!“.

„Als Caritas gehört es zu unserem Selbstverständnis, das Miteinander der Menschen zu fördern. Solidaritätsstifter zu sein bedeutet, dass wir uns dafür einsetzen, dass alle Menschen in unserem Gemeinwesen gleichermaßen eine lebenswerte Zukunftsperspektive haben“, sagte Caritasdirektor Ordinariatsrat Thomas Herkert (Freiburg) vor rund 200 Gästen aus Politik, Medien, Kirche und Wissenschaft. Es könne sein, dass die Leute von Caritas und Diakonie in den Augen mancher wie Sozialromantiker dastünden. „Wir werden uns aber nicht abhalten lassen, diese Gesellschaft auf der Basis unseres Menschen- und Gottesbildes mitzugestalten.“

Wie der Aufruf „Sei gut, Mensch!“ in soziales und politisches Engagement münden kann, skizzierte der Kölner Journalist und Philosoph Jürgen Wiebicke. „Wir müssen ‚Haltung‘ einnehmen anstelle einer Gesinnung. Und Haltung einzuüben heißt für mich, den Muskel zu trainieren, den man braucht, um ein engagiertes Leben zu führen. Wie das geht? Es ist wie beim Sport: man muss einfach damit beginnen.“ Für Wiebicke gilt es die Substanz unserer Demokratie zu verteidigen gegenüber Menschen, die diese immer lauter und heftiger verachteten. „Es reicht nicht mehr, bei Wahlen ein Kreuzchen zu machen. Wir müssen ständig an unserer Demokratie bauen.“

„Caritasarbeit ist Demokratiearbeit“, betonte Caritasdirektor Pfarrer Oliver Merkelbach (Rottenburg-Stuttgart). „Dabei umfasst Demokratie für uns nicht nur eine Staatsform, sondern eine Lebensform der Vielfalt.“ Die Caritas-Mitarbeitenden trügen tagtäglich durch ihre Arbeit zum Gelingen dieser Vielfaltsgesellschaft bei, damit Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft, sexueller Identitäten, Religionen und Lebensformen respektvoll zusammenleben können. „Diese Vielfalt gilt es zu gestalten. Wir begreifen sie als Bereicherung und Herausforderung.“