Feel the vibes – Jugend, Musik und Glaube

Jugendseelsorgetagung 2019 diskutiert Musikeinsatz in der kirchlichen Jugendarbeit

Bildquelle: BDKJ

„Wie Musik wirkt, hängt immer vom Hörenden ab.“ Mit dieser Aussage führte Musikpädagoge Michael Schuhmacher in das Thema der diesjährigen Jugendseelsorgetagung des Bischöflichen Jugendamtes (BJA) der Diözese Rottenburg-Stuttgart ein. Vom 7. bis 10. Januar 2019 beschäftigten sich knapp 120 TeilnehmerInnen in Rot an der Rot unter dem Motto „Feel the vibes – Jugend, Musik & Glaube“ mit der Wirkung und dem Einsatz von Popmusik in Unterricht, Jugendarbeit und Liturgie.


Wer von den Teilnehmenden auf eine allgemeingültige Formel für den wirkungsvollen Einsatz von Musik in seinem Jugendarbeitsfeld gehofft hatte, war mit dem Fazit von Schuhmacher etwas ernüchtert. Er führte weiter aus, dass die individuelle Lebenserfahrung und aktuelle emotionale Befindlichkeit sowie die Musikperformance und der Musikstil beeinflussen, wie Musik bewertet und wahrgenommen wird. Gleichzeitig ermutigte der Musikpädagoge seine ZuhörerInnen jedoch, bei der Musikauswahl die Gruppe miteinzubeziehen, die damit erreicht werden soll. Im gemeinsamen Suchen nach einem für alle passenden Song oder Musiktitel entstehe bereits der gewünschte Austausch über Texte, Musikstile und -vorlieben.


In Hörkontakt mit explizit christlicher Popmusik kamen die TagungsteilnehmerInnen mittels Videoclips verschiedener Bands, die das breite Spektrum an Popmusikgenres -von Rap und Folk über Worship und Deutschpop bis hin zu Whitemetal - aufzeigten. Auch Songwriter Johannes Falk, der aus der Lobpreis-Bewegung kommt, gab einen Einblick in sein Schaffen und die christliche Musikszene. Für letztere wünsche er sich mehr Mut und Kreativität, Texte abseits der gängigen Weichspülformeln zu formulieren: “Zweifel, Sorgen und Ängste haben durchaus ihre Berechtigung in der christlichen Musik. Es braucht darin mehr Genre übergreifende Popmusik, auch aus der Säkularszene, die sich mit den Lebensfragen der Menschen auseinandersetzt“.


Zum gleichen Ergebnis kam Prof. Dr. Johanna Rahner, Theologin und Dozentin für Dogmatik an der Universität Tübingen, in ihrem Vortrag „Von Gott singen und sprechen – aber wie?“. Liturgie feiern, das geht mit allen Musikstilen, selbst mit Blackmetal, wenn sie die existentiellen Lebensfragen der Menschen und ihre Suche nach Sinn aufgreifen und keine vorgefertigten Antworten in glatten gefälligen Floskeln liefern. „Melodien und Texte entfalten dann ihre größte Wirkung, wenn sich der Mensch mit seinen Lebensbrüchen und offenen Fragen darin wiederfindet. Es gibt heutzutage noch zu viele Gottesdienste, die auf ein traditionelles Liedgut zurückgreifen, das von Begriffen geprägt ist, die keine Resonanzfähigkeit mehr besitzen“, führt Rahner weiter aus.


Jugend, Musik und Glaube wird für viele TagungsteilnehmerInnen ein Arbeitsfeld bleiben, in welchem mit der Gesamtpalette der Popkultur experimentiert werden kann. Jetzt gilt es mit den Anregungen und Erkenntnissen einfach mal anzufangen, mit einem Bandcoaching-Tag, der Firmvorbereitung als Musikprojekt, einem kleinen Songfestival, einem Chorprojekt…