Frauenbund 2.0 in Fellbach

Am 2. Februar wurde nach fast 30 Jahren wieder eine Frauenbundgruppe gegründet

Die drei Initiatorinnen und neu gewählten Vorstände mit ihren zehn Beisitzerinnen. Vordere Reihe von rechts: Gabriele Haas, Lucia Rothwein und Maria Haller-Kindler. Bildquelle: KDFB Rottenburg-Stuttgart/Manuela Pfann

Zum ersten Mal nach fast drei Jahrzehnten hat sich in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ein neuer Ortsverein im Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) gegründet. Die Neugründung des Vereins „Frauenbund 2.0 Fellbach-Schmiden-Oeffingen“ am Sonntag im Maximilian-Kolbe-Haus in Fellbach-Schmiden (Rems-Murr-Kreis) bestätigte den Aufschwung, den der KDFB seit gut zehn Monaten erfährt: Während überall Menschen die katholische Kirche verlassen, wächst der Frauenverband kontinuierlich. Die Neugründung in Fellbach ist die erste seit 28 Jahren, eine weitere ist im Bereich Hohenlohe geplant. In der Diözese zählt der Verein rund 7.300 Mitglieder in jetzt 124 Zweigvereinen, so die Bezeichnung der Ortsgruppen.


Ganz bewusst habe man den 2. Februar als Gründungstag gewählt, Mariä Lichtmess, sagte Maria Haller-Kindler (53), eine der drei Initiatorinnen des neuen Vereins. „Dieser Tage steht für uns für einen Neuanfang“. An vielen Orten würden heute im Gottesdienst Kerzen gesegnet, die in der Kirche das Jahr über benötigt würden. In der christlichen Tradition habe das Datum einst das Ende der Weihnachtszeit markiert, in der Landwirtschaft das Ende des Wirtschaftsjahres, erläuterte sie. Der Neuanfang in Fellbach sei gerade noch rechtzeitig auf den Weg gebracht worden, ergänzte Mitstreiterin Lucia Rothwein (50). „Ich hatte mir wirklich überlegt, aus der Kirche auszutreten“. Die Freude an der Mitgestaltung in der Gemeinde habe mehr und mehr abgenommen. „Wir haben uns immer weniger wiedergefunden in dieser Kirche. Das hänge mit der Struktur zusammen, aber auch mit der spirituellen und liturgischen Gestaltung, so Rothwein. Gabriele Haas (52) als Dritte im Bunde bestätigte diese Wahrnehmung, sie hatte sich in den letzten Jahren komplett aus dem Gemeindeleben zurückgezogen.

Der im vergangenen Frühjahr unter dem Namen „Maria 2.0“ bundesweit bekannt gewordene Kirchenstreik katholischer Frauen hatte bei den drei Fellbacherinnen alles verändert. „Die Aktionen haben uns aus dem Herzen gesprochen, aber wir haben verpasst mitzumachen, weil wir nicht vernetzt waren und erst in der Zeitung davon gelesen hatten“, sagte Maria Haller-Kindler. Und noch etwas motivierte die drei zu einem Neuanfang: „Der Glaube ist unsere Wurzel, die Kirche unsere Heimat. Wir können nicht austreten“. Alle drei entschieden, wieder aktiv zu werden und trafen auf offene Ohren in den drei zur Seelsorgeeinheit gehörenden Gemeinden Fellbach, Schmiden und Oeffingen: Mehr als 60 Frauen waren am Sonntag der Einladung zur Gründungsversammlung gefolgt. Am Ende standen 38 Namen auf der Liste der Gründungsmitglieder; sie wählten die drei Initiatorinnen Maria Haller-Kindler, Gabriele Haas und Lucia Rothwein zu ihren ersten drei Vorsitzenden.

In Fellbach sei wieder jener Enthusiasmus der Gründerzeit des Frauenbunds zu spüren, sagte die Geschäftsführerin des KDFB in der Diözese, Mechthild Driessen, in ihrem Grußwort. Sie erinnerte an das Jahr 1917, als 2.000 Frauen in Stuttgart an der Verbandsgründung teilgenommen hatten. Sie freute sich darüber, dass die Fellbacher Frauen ihrer Sehnsucht nach Aufbruch und Veränderung gefolgt seien. Diesen Aufbruch habe es schon einmal zu Beginn der 60er Jahre, nach dem zweiten vatikanischen Konzil, in Fellbach und in Schmiden gegeben, sagte Driessen. Zwei Ortsvereine des Frauenbunds seien damals gegründet worden. Doch das Engagement habe mit dem Alter der Mitglieder immer weiter abgenommen. 2011 schließlich hätten sich die beiden Zweigvereine aufgelöst.

Dennoch fühlen sich die Frauen des ersten Frauenbunds mit denen der Version 2.0 verbunden: einige von ihnen waren auch bei der Neugründung dabei und entzündeten symbolisch für die Verbindung zwischen alt und neu eine Kerze mit dem Gründungsdatum.

„Das ist unser synodaler Weg vor Ort“, sagte Lucia Rothwein über Neugründung und Aufbruch in Fellbach. Zu Beginn der Arbeit des neuen Frauenbunds soll der Schwerpunkt auf der Spiritualität und anderen Formen von Gottesdienst liegen. Das sei der Wunsch sehr vieler Frauen gewesen, sagte Rothwein. „Damit hoffen wir wenigstens diejenigen nicht zu verlieren, die noch irgendwie einen Bezug zur Kirche haben.“ Dass sie damit auf dem richtigen Weg sind zeigte der von einem Frauenteam gestaltete Gottesdienst direkt vor der Gründungsversammlung: Die Dreifaltigkeitskirche in Schmiden war fast bis auf den letzten Platz gefüllt.

Die letzte Neugründung eines Zweigvereins des KDFB erfolgte 1992 in Stuttgart-Hofen. Im Jahr 2018 gab es in Ulm in kleinerem Kreis eine erste Neugründung als Wiederaufnahme mit acht Frauen. Die Neugründung des Frauenbunds 2.0 Fellbach-Schmiden-Oeffingen zählt mit 38 Gründungsmitgliedern zu den größten Neugründungen der letzten 50 Jahren. In den vergangenen zehn Monaten sind in den katholischen Frauenbund der Diözese knapp 150 neue Mitglieder eingetreten.