Frauenpower in der Heusteigstraße

Das FrauenBerufsZentrum unterstützt Stuttgarter Frauen auf ihrem Weg (zurück) ins Erwerbsleben

Bildquelle: SkF

Eigentlich müsste gedrückte Stimmung herrschen, hier im Stuttgarter FrauenBerufsZentrum (FBZ) des SkF Stuttgart. Zeigen die jüngsten Zahlen doch ganz klar: Die Corona-Krise macht vor allem die Frauen arbeitslos. Und besonders hart davon betroffen sind Frauen in schwierigeren Lebenssituationen. Doch Gabriele Schmid, eine Mitarbeiterin der beruflichen Beratungsstelle, bleibt zuversichtlich: „Zusammen mit den Frauen, die zu uns kommen, haben wir schon ganz andere Hürden genommen“, sagt die erfahrene Sozialpädagogin.

Da sind zum Beispiel die Arbeitszeiten, die sich nicht mit der Kinderbetreuung vereinbaren lassen – diese Erfahrung machen Frauen nicht erst seit Home-Schooling und geschlossenen Kitas. Und deshalb geht es im FBZ oft nicht nur darum, die ratsuchenden Frauen für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren oder sie bei der Jobsuche zu unterstützen. Nadine Tjoa, Diplom-Pädagogin und FBZ-Beraterin erklärt den ganzheitlichen Ansatz der extrem niedrigschwelligen Beratungsstelle: „Wir schauen auf alles, was ein gelingendes Berufsleben benötigt.“ 

Was macht das FBZ anders als das Jobcenter? „So einiges“, lacht Gabriele Schmid. „Zuerst einmal gehen wir ganz mit dem Tempo, das uns die Frauen vorgeben. Wir haben Zeit, uns mit ihnen zu beschäftigen Wir können alle ihre Umstände berücksichtigen und üben keinerlei Druck aus, das Setting hier ist durch und durch freiwillig.“ Will heißen: Die Arbeit des FBZ ist keine bloße Jobsuche. Den Beraterinnen geht es darum, dass ihre Klientinnen langfristig Fuß in der Arbeitswelt fassen. „Alle Frauen, die zu uns kommen, sind in einer schwierigen Lebenssituation“, weiß Gabriele Schmid. „Manchmal ist es noch in weiter Ferne, dass sie eine Arbeit aufnehmen können, weil bei ihnen erstmal andere Dinge anliegen.“ Und auch bei diesen ‚anderen Dingen‘ hilft das FBZ gewohnt zupackend und unbürokratisch: die Beraterinnen sind bestens mit dem psycho-sozialen Hilfesystem in der Stadt vernetzt und können den Frauen schnell die Unterstützung zukommen lassen, die sie im Moment benötigen, sei es z. B. durch einen Kontakt zur Sozial- und Lebensberatung, zur Suchtberatung, zur Erziehungs- oder zur psychologischen Beratung.

„Der Weg zur Erwerbsarbeit umfasst manchmal ein paar zusätzliche Schritte“, weiß auch Nadine Tjoa. Einer dieser Schritte ist das Erlernen der deutschen Sprache - ungefähr ein Drittel der insgesamt 104 Frauen, die das FBZ im letzten Jahr begleitet hat, verfügte nicht über ausreichende Deutschkenntnisse. „Wenn eine Frau nur sehr gebrochen Deutsch spricht, hat sie kaum Möglichkeit, sich beruflich weiter zu entwickeln“, sagt Frau Tjoa. Deshalb ist auch die Information über und die Vermittlung in Deutschkurse wichtig. 

„Frauen stärken“, so würde Nadine Tjoa die Arbeit ihrer Kolleginnen dann auch zusammenfassen. „Jede Frau, die den Weg zu uns findet, steckt voller Möglichkeiten. Wir drängen sie zu nichts. Wir geben ihr Impulse und unterstützen sie dabei, ihre Möglichkeiten zu erkennen – und den Mut, sie immer mehr auszuschöpfen.“ 

Mehr Informationen unter https://www.skf-stuttgart.de/frauen-und-beruf/