Entstehungsgeschichte der katholischen Verbände

Die meisten katholischen Verbände in Deutschland entstanden im Laufe des 19. Jahrhunderts: Nach der Säkularisierung mit ihren flächendeckende Kloster- und Ordensauflösungen und der Abschaffung der Staatsreligion war die Kirche in der Krise. In dieser Situation begannen katholische Laien, sich neben ihrem Einsatz für die bürgerlichen Freiheitsrechte auch für die Freiheit der Kirche stark zu machen und sorgten mit dieser so genannten „Katholischen Bewegung“ für eine Erneuerung des religiösen und kirchlichen Lebens. Aus zunächst freien Gruppierungen katholischer Männer und Frauen wurden festere Strukturen und dann geordnete Verbände mit Organisationsstruktur. Oft inspiriert von der Vision einer Gründerpersönlichkeit widmeten sich vor allem sozialen, caritativen, gesellschaftlichen oder pastoralen Aufgaben. Verbände wurden besonders in Bereichen tätig, die bis dahin keine ausgesprochenen kirchlichen Handlungsfelder waren (z.B. Hilfe für Gesellen und Arbeiter).

Den ersten Weltkrieg, die Herrschaft des Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg überstanden die katholischen Verbände mit große Kraftanstrengung, teils im Verborgenen. Nach Kriegsende wurden viele Verbände wiedergegründet, einige kamen neu hinzu. Mit dem Zweiten Vatikanische Konzil veränderte sich der Blick der Kirche auf die Laien. Selbstbewusst und einflussreich beteiligten sich die Verbände an der politischen Willensbildung in Deutschland. Bedeutende Persönlichkeiten aus den Verbänden brachten die Leitmotive der katholischen Soziallehre in den gesellschaftlichen Diskurs ein.

Eine Zäsur bildeten die ausgehenden 1960er Jahre mit der Studentenrevolte. Die 68er-Generation stellte vieles infrage, was die katholischen Verbände ausmacht, dementsprechend sanken in vielen Verbänden die Mitgliederzahlen.

Heute sind die katholischen Verbände wie die Kirche insgesamt, aber auch wie viele Vereine, Gewerkschaften oder die Parteien vom demographischen Wandel und von sinkenden Mitgliederzahlen betroffen. Noch immer aber ist das karitative, soziale und politische Engagement groß. Katholische Verbände und Organisationen leisten durch ihre haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immense Beiträge für die Gesellschaft: als Orte, die Gemeinschaft bieten, durch Hilfs- und Beratungsangebote, durch Freizeitaktivitäten und Bildungsmöglichkeiten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, in Form von politischem Engagement für Familien, soziale Gerechtigkeit oder Umweltschutz, durch vielfältige Hilfen für Geflüchtete und „Eine Welt“-Projekte.